31.1.06

Etnografia Asimetrica

Am Abend besuche ich Hans aus Hamburg in seinem Hotel, obwohl mir mein Körper sagt, dass ich unbedingt schlafen gehen sollte. Kraftlos quäle ich mich die vielen Treppenstufen nach oben zu seinem Hotel. Hans freut sich über meinen Besuch und wir sitzen bis Mitternacht auf der Terrasse mit tollem Ausblick auf die in der Dunkelheit liegenden Yungas. Hans erzählt mir, dass er schon seit Feuerland mit dem Fahrrad unterwegs ist. Und das in seinem stattlichen Alter von 63 Jahren! Gleich nachdem er Rentner geworden ist, hat er sich auf den Weg gemacht seinen lange gehegten Traum zu erfüllen, gegen den Willen seiner Frau, was wohl das Beachtlichste an der ganzen Sache ist. Er ist im Januar losgefahren und möchte es bis zum Dezember nach Venezuela geschafft haben. Als ich zurück zu meinem Hotel gehe, stehe ich dort vor verschlossenen Türen! So ein Mist! Lange stehe ich am Eingang und drücke auf die Klingel, ohne dass irgendeine Reaktion folgt. Ich klettere über Mauern und schleiche mich um das ganze Hotel, um einen Eingang zu finden. Es ist unfassbar! Selbst die Hintertüren sind von innen mit dicken Kettenschlössern gesichert! Ich benutze meine Kamera als Taschenlampe und schleiche wie ein Dieb durch das ganze Gebäude. Die einzigen geöffneten Türen führen mich in zwei modrig riechende Schlafkammern für das Personal, wo ich allerdings niemanden antreffe. Ich finde eine morsche Leiter und denke schon daran so in das Hotel zu kommen. In einem nahe gelegenen Häuschen brennt noch Licht. Entnervt klettere ich über dessen Mauer und klopfe an die Tür. Ich habe Glück, dass der Hausmeister hier wohnt. Verdutzt öffnet er die Tür und fragt mich was denn los sei. Aus dem Inneren des Hauses kommt eine müde Frauenstimme: "¿Quien es?". "Nur ein Gringo." antwortet er ihr. Na, vielen Dank auch! Ich erkläre ihm die Lage und nachdem er sich selbst davon überzeugt hat, dass der Nachtportier nicht öffnen will, holt er den Kellner, der auch in der Nähe wohnt. Der wiederum weckt durch ein Fenster die Chefin und die wiederum weckt den schlafenden Nachtportier. Nach einer Weile öffnet dieser mir mit Kissenfalten im Gesicht die Tür. Wenn ich nicht selbst total müde wäre, hätte ich ihn als unfähiges "sonstwas" beschimpft. Ich bin zu nichts mehr zu gebrauchen und falle ohne vorher die Zähne zu putzen ins Bett.